Applikationswege in der Therapie der Multiplen Sklerose – monoklonale Antikörper im Fokus

5 Fazit

Im letzten Jahrzehnt hat es einen großen Zuwachs an Behandlungsmöglichkeiten für Menschen mit RRMS gegeben, sodass heute ein Spektrum an unterschiedlichen Wirkstoffklassen zur Verfügung steht. Eine wichtige Rolle nehmen dabei monoklonale Antikörper ein, welche die Migration von Immunzellen inhibieren (Natalizumab), T- und B-Zellen depletieren (Alemtuzumab) oder vornehmlich B-Zellen depletieren (Ocrelizumab, Ofatumumab, Ublituximab). Neben den spezifischen Wirkmechanismen unterscheiden sich die Antikörpertherapien auch hinsichtlich des Applikationswegs, was Auswirkungen auf die Pharmakokinetik, Pharmakodynamik und letztendlich die Sicherheit hat. Während die meisten Antikörper intravenös verabreicht werden, wird Ofatumumab subkutan appliziert. Dies ermöglicht das Einbringen der makromolekularen Antikörper direkt ins lymphatische System, wo sich der überwiegende Teil der Zielzellen befindet. Die Pharmakodynamik der depletierenden Antikörper ist durch eine schnelle und umfassende Zell-Depletion gekennzeichnet, wohingegen sich die Repletionszeiten zwischen den Wirkstoffen deutlicher unterscheiden. Sicherheitsaspekte, die bei einem Eingriff in die Lymphozyten-Homöostase besonders relevant sind, umfassen die Immunglobulin-Spiegel sowie das Auftreten von Infektionen und IRR. Letztere können bei den intravenös verabreichten Antikörpern eine Prämedikation und Nachbeobachtungszeit erforderlich machen. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass bei der Wahl der MS-Therapie neben dem Wirkmechanismus auch der Applikationsweg mit seinen Effekten auf die Pharmakokinetik, -dynamik und Sicherheit beachtet werden sollte. Dabei ist nicht zu vergessen, dass durch die Berücksichtigung der Wünsche von Betroffenen hinsichtlich der Anwendungsart und -häufigkeit auch die Adhärenz verbessert werden kann.