Applikationswege in der Therapie der Multiplen Sklerose – monoklonale Antikörper im Fokus

3 APPLIKATIONSWEGE IN DER MS-THERAPIE

Aktuelle Strategien in der MS-Therapie basieren auf den umfangreichen Kenntnissen zur Pathogenese und Pathophysiologie der Erkrankung und zielen daher auf eine Hemmung der Immunzellproliferation oder der Immunzellmigration oder eine Depletion von Immunzellen ab. Neben den verschiedenen Wirkmechanismen unterscheiden sich die Therapien auch durch den jeweiligen Applikationsweg; Tabelle 1 gibt hierzu eine Übersicht.

Der generell am häufigsten genutzte Applikationsweg für Medikamente ist die orale Einnahme, sie ist sowohl komfortabel als auch kosteneffizient [Kim und De Jesus 2023]. Mit der Zulassung von Fingolimod stand erstmals im Jahr 2010 ein orales MS-Therapeutikum zur Verfügung. Voraussetzung für diesen Applikationsweg ist jedoch, dass die Patient*innen in der Lage sind, die Tabletten oder Kapseln zu schlucken. Da insbesondere bei progredienten Verläufen in seltenen Fällen Schluckstörungen (Dysphagie) bei MS bestehen können, ist diese Voraussetzung bei Menschen mit MS nicht immer gegeben [Eckardt et al. 2021]. Die Aufnahme des Wirkstoffs bei oraler Verabreichung erfolgt üblicherweise primär über den Dünndarm. Zu beachten ist dabei der First-Pass-Effekt, das heißt bereits vor der systemischen Verteilung erfolgt eine Metabolisierung des Wirkstoffs in der Leber [Kim und De Jesus 2023]. Eine Umgehung des First-Pass-Effekts ist mithilfe parenteraler Applikationswege möglich; die intravenöse Verabreichung findet darunter allgemein am häufigsten Anwendung. Durch die direkte Gabe in den systemischen Blutkreislauf ermöglicht sie eine schnelle Bioverfügbarkeit [Kim und De Jesus 2023]. Das erste intravenös zu verabreichende MS-Therapeutikum war Natalizumab, das 2006 von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) zugelassen wurde. Im Gegensatz zur intravenösen Anwendung bieten sowohl die intramuskuläre als auch die subkutane Applikation die Möglichkeit, dass sich Betroffene nach entsprechender Schulung das Medikament selbst verabreichen. Beide Applikationswege ermöglichen zudem eine langsame Absorption des Wirkstoffs [Kim und De Jesus 2023]. IFN-β-1b war mit der EMA-Zulassung im Jahr 1995 nicht nur die erste subkutan verabreichte MS-Therapie, sondern auch das erste Medikament der modernen krankheitsmodifizierenden Therapien (DMT) überhaupt; IFN-β-1a ist der erste und einzige intramuskulär verabreichte Wirkstoff.